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Leitfaden zur Farbwahrnehmung

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Eine halbe Stunde vor der Deadline. Du hast hart gearbeitet und die Farben in deiner letzten Produktion sitzen perfekt. Nach einer kurzen Kaffeepause, während alles rendert, kehrst du zu deinem Bildschirm zurück. Ein letzter schneller Check, bevor der Upload startet und dann, was? Die Hauttöne sehen plötzlich völlig falsch aus! Wie ist das möglich? Musst du wirklich den Kunden um Aufschub bitten und von vorne anfangen? Du würdest es nicht erwarten, aber die Farbe auf deinen Wänden wird dir helfen.

 Color Grading Room Setup bei Grey Things Studio
Die Color-Grading-Suite von Grey Things, Nijmegen

Mit Farbe arbeiten

Es kann ein so erfüllender Beruf sein, aber mit Farbe zu arbeiten kann einen manchmal auch zur Verzweiflung bringen. Wie ist es möglich, dass die Farben jedes Mal anders aussehen, wenn du dein Projekt neu betrachtest? Coloristen, Videoeditor, Fotobearbeiter und Designer kennen diese Herausforderung alle: Wie nimmst du Farbe und Kontrast konsistent und präzise wahr, unabhängig von der Tageszeit? Die Antwort beginnt mit deinem Color Grading Room Setup.

Lass uns zunächst verstehen, was eigentlich passiert. Wie täuschen dich deine Augen, oder besser gesagt dein Gehirn?

 

 

Die inneren Quadrate haben die gleiche Farbe. Ehrlich! Versuch es mit dem Color Picker.

Simultaner Farbkontrast Illusion mit identischen grauen Quadraten
Beide inneren Quadrate sind farblich identisch. Dein Gehirn will es einfach nicht glauben.

 

Unser optisches System ist bemerkenswert anpassungsfähig. Das Gehirn kompensiert Farbe in Richtung eines Weißabgleichs. Wenn viel Blau im Gesichtsfeld vorhanden ist, fügt das Gehirn die entgegengesetzte Farbe hinzu, um dies auszugleichen. Dadurch erscheint das Quadrat auf dem blauen Hintergrund grauer als es tatsächlich ist. Stell dir vor, der Punkt ist dein kalibrierter Monitor. Deshalb sehen diese Hauttöne so ungesund aus. Eine neutrale Umgebungsfarbe macht wirklich einen Unterschied.

Das Gesetz des simultanen Farbkontrasts

Der Ton zweier Farbfelder erscheint unterschiedlicher, wenn sie nebeneinander betrachtet werden, als wenn sie separat vor einem gemeinsamen neutralen Hintergrund betrachtet werden. Der Chemiker Michel-Eugène Chevreul entdeckte dies bereits 1839 und nannte es das Gesetz des simultanen Farbkontrasts. Wenn sich die Flächen in der Helligkeit unterscheiden, verstärkt die Nebeneinanderstellung den wahrgenommenen Helligkeitsunterschied; wenn sie sich im Farbton unterscheiden, wird der Unterschied ebenfalls verstärkt. Beide Effekte können gleichzeitig auftreten.

Diese Illusionen erlebst du beim Betrachten einer bestimmten Farbe oder Farbsequenz auf einem Monitor in einem Raum mit gemischtem Licht, übermäßigem Kontrast, farbigen Wänden und anderen visuellen Ablenkungen, die deine Farbwahrnehmung stören.

 

 

6 Schritte zu einem Color Grading Room Setup, dem du vertrauen kannst

Die Lösung für eine präzise und reproduzierbare Farb- und Kontrastwiedergabe ist eine korrekt konfigurierte, kalibrierte Betrachtungsumgebung. In 6 Schritten erklären wir, wie du das erreichst.

Wir können dir mit der richtigen Umgebungsfarbe auf deinen Wänden helfen, wie im letzten Schritt beschrieben. Aber fangen wir mit dem Wichtigsten an:

 

1. Der richtige Referenzmonitor

Investiere in einen guten Monitor. Normale Monitore sind nicht für präzise Farbarbeit ausgelegt. Consumer-Monitore sind darauf ausgelegt, Bilder gut aussehen zu lassen, auch wenn das Quellmaterial das nicht ist. Ein durchschnittlicher Bildschirm wendet daher allerlei Korrekturen an. Und selbst wenn du diese abschaltest, sind sie nicht konsistent in ihrer Ausgabe. Der eine Monitor ist wärmer als der andere, hat mehr Kontrast, zu viel Sättigung oder viel zu viel Backlight.

Aber welchen Referenzmonitor solltest du nehmen? Es gibt einige Entscheidungen zu treffen. Wir verwenden einen Flanders Scientific DM170, ein 17-Zoll, 1920 x 1080, 10-Bit-LCD-Display.

Das Angebot an farbgenauen Monitoren entwickelt sich rasant. Wir empfehlen, das Internet nach den neuesten Produkten und Bewertungen zu durchsuchen. Dieser Blog von Jonny Elwyn ist sehr empfehlenswert: Er recherchiert regelmäßig ausführlich die besten Angebote für farbgenaue Monitore in verschiedenen Preisklassen.

2. Monitorkalibrierung

Um sicherzustellen, dass dein Monitor die richtigen Farben wiedergibt, muss er regelmäßig kalibriert werden. Nach der Kalibrierung kannst du sicher sein, dass ein roter Pixel wirklich rot ist und nicht leicht orange.

In manchen Fällen kann die Kalibrierung vom Hersteller durchgeführt werden, aber du kannst es auch selbst mit einem Bildschirmkalibrator tun. Bekannte Tools sind der Datacolor Spyder X2 Elite oder Ultra und das Calibrite ColorChecker Display. Du befestigst es an deinem aufgewärmten Display und die Software analysiert und korrigiert die Farbausgabe.

3. Tageslicht fernhalten

Jeder Lichtstrahl beeinflusst deine Farbwahrnehmung. Nicht nur weil helles Licht deinen Monitor schwerer lesbar macht, sondern auch weil die meisten Lichtquellen inkonsistent sind und Tageslicht ist da keine Ausnahme. Bewölkung und die Tageszeit beeinflussen Intensität und Farbtemperatur des Lichts.

Die Lösung ist einfach: Installiere Verdunkelungsvorhänge oder Rollos. Allerdings hat die Verdunkelung auch Nachteile. Ein Mangel an natürlichem Licht kann zu körperlichen und psychischen Beschwerden führen. Sorge also dafür, dass du genug nach draußen gehst.

Color Grading in völliger Dunkelheit ist ebenfalls nicht empfehlenswert. Ohne Referenz für die Lichtintensität riskierst du, Material zu dunkel abzuliefern. Außerdem ermüden deine Augen schneller im Dunkeln.

Sobald der Raum verdunkelt ist, musst du ihn neu ausleuchten. Achte dabei auf eine konsistente und gleichmäßige Ausleuchtung.

4. Die richtige Umgebungsbeleuchtung

Bei der Wahl der richtigen Leuchtmittel sind zwei Werte wichtig: Kelvin und CRI. Kelvin gibt die Farbtemperatur des Lichts an. Das warme Orange einer Kerze hat eine Temperatur von etwa 1.000 Kelvin, ein strahlend blauer Himmel liegt bei rund 10.000 Kelvin.

Ohne Referenzpunkt ist es schwierig zu bestimmen, was neutrales Licht eigentlich ist. Das Gehirn korrigiert Abweichungen in der Farbtemperatur, sodass du kaum merkst, wenn sich der Kelvin-Wert ändert. Das erlebst du, wenn du eine gelbgetönte Sonnenbrille absetzt: für einen Moment erscheint die Welt sehr blau, bevor das Gehirn dies wieder korrigiert.

Bei der Farbarbeit möchtest du solche Verzerrungen ausschließen. Wähle daher Leuchtmittel mit einer Farbtemperatur von 6.500 Kelvin, der besten Annäherung an Tageslicht und damit die neutralste Option.

Der CRI-Wert, auch Farbwiedergabeindex genannt, gibt an, wie farbgetreu eine Lichtquelle die Farben eines Objekts wiedergibt. Die meisten Consumer-Leuchtmittel haben einen CRI von 70 bis 85 Ra. Für eine Color Suite benötigst du eine Lichtquelle mit einem CRI über 90 Ra. Wir empfehlen, alle Leuchtmittel einer Marke zu wählen, damit sie in Kelvin und CRI nicht voneinander abweichen.

5. Lichtpositionierung

Nach der Wahl der Beleuchtung ist es Zeit, die Leuchten zu positionieren. Sorge dafür, dass kein direktes Licht auf deinen Bildschirm oder in deine Augen fällt, und richte die Leuchten immer vom Monitor weg. Bias Lighting, eine gleichmäßige Lichtquelle hinter deinen Monitoren, ist sehr empfehlenswert. Es gibt verschiedene Gründe, warum Bias Lighting wichtig ist, aber der wichtigste ist, dass es deine Kontrastwahrnehmung verbessert. In unserer Suite verwenden wir Beleuchtung von Medialight: 6.500 Kelvin und ein CRI von 98-99 Ra.

Stimme die Intensität deiner Umgebungsbeleuchtung auf die Helligkeit deiner kalibrierten Monitore ab.

6. Die richtige Wandfarbe für dein Color Grading Room Setup

Ein Faktor, der in einem Color Grading Room Setup oft übersehen wird, ist die Farbe deiner Wände. Hat ein Raum eine bestimmte Farbe, kompensieren deine Augen dafür. Ein rotes Objekt auf blauem Hintergrund bekommt beispielsweise einen Orangeton. Außerdem soll deine sorgfältig platzierte Beleuchtung neutral reflektiert werden, ohne durch Farbe kontaminiert zu werden.

Was ist also die richtige Farbe für deine Wände? Weiß oder Schwarz erscheint wie eine logische Wahl, aber keines von beiden ist wirklich neutral. Weiß reflektiert zu viel Licht, Schwarz absorbiert zu viel. Der Sweet Spot ist keine einfache Schwarz-Weiß-Mischung, sondern eine gleichmäßige Mischung aller Spektralfarben: neutrales Mittelgrau, auch bekannt als 18%-Grau.

Es ist gewissermaßen die einzige Farbe ohne Farbe. Die 18% können verwirrend sein: Sie bedeuten, dass die Wand 18% des auftreffenden Lichts reflektiert. Zieht man einen Verlauf von Weiß nach Schwarz, liegt 18%-Grau genau in der Mitte. 18%-Grau ist also effektiv 50% Schwarz. Der Grund, warum wir es nicht 50% Reflexion nennen, liegt an der logarithmischen Skala der Lichtstärke. Mehr dazu in diesem Video. Ehrlich gesagt, kommt er etwas langsam in Gang.


Warum nicht einfach in den Baumarkt gehen?

Mittelgrau lässt sich nicht einfach im Baumarkt mischen. Du findest ein Grau, das nahekommt, aber diese exakte Farbe auf die Wand zu bekommen ist eine andere Geschichte. Die Mischmethoden sind nicht präzise genug, die Toleranz der Mischmaschine ist zu groß und Abweichungen in der Grundfarbe werden nicht berücksichtigt. Diese ist nie perfekt weiß und kann zwischen Produktionschargen, Paletten und sogar einzelnen Eimern variieren. Baumärkte passen ihre Rezepturen nicht an verschiedene Grundfarbentypen an.

Die Grundfarbe, die wir für Grey Paint verwenden, ist die weißeste und konsistenteste erhältliche und daher weitgehend frei von Abweichungen. Jede Charge wird erneut auf Genauigkeit getestet. Die Abweichung vom Mittelgrau messen wir in L*a*b*, wobei L* die Helligkeit, a* Rot bis Grün und b* Gelb bis Blau darstellt.

Grey Paint weicht bei jedem Wert um weniger als 1 Punkt ab, ist für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar und schneidet im Farbtest besser ab als die bekanntesten Graukarten.

L*a*b* Farbgenauigkeitstest Ergebnisse für Grey Paint Mittelgrau
Grey Paint gemessen in L*a*b*, mit einer Abweichung von weniger als 1 Punkt vom echten Mittelgrau

Abschließend

Hast du nach dem Lesen dieses Blogs Fragen oder Anmerkungen, oder denkst du, dass wir irgendwo völlig falsch liegen? Lass es mich wissen! Ich sehe diesen Blog als ständige Weiterentwicklung und bin immer neugierig auf die Erfahrungen anderer.

Es ist auch erwähnenswert, dass eine Color Suite die Farbkorrektur und das Grading nicht für dich übernimmt. Letztendlich sind es dein geschultes Auge, dein Wissen und deine Fähigkeiten, die das perfekte Bild erschaffen.

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